IT-as-a-Service – was wir von der Automobilindustrie lernen können


Um komplexe Herausforderungen in der IT verständlich darzustellen, wird gerne das Auto als Vergleich herangezogen. Auch dieser Artikel bedient sich dieser beliebten Analogie und stellt die Industrialisierung der IT der Fertigung des Automobils gegenüber.

«Die von aussen wirkenden IT-Megatrends zwingen Unternehmen dazu, agil zu reagieren.»

Zu Beginn der Automobilgeschichte wurden die Fahrzeuge in Einzelproduktionen gefertigt, wie beispielsweise der Benz Patent Motorwagen Nr. 3 Ende des 19. Jahrhunderts. Das war sehr teuer und vergleichbar mit einer IT-Umgebung, die nicht standardisiert ist. Das heisst, dass Informationssysteme auf die Applikation zugeschnitten werden. So entstehen Silos. Diese IT-Inseln sind teuer in der Beschaffung und im Unterhalt. Betriebssysteme und Hardware sind exakt auf die Applikationsbedürfnisse zugeschnitten. Die Folge ist eine hohe Heterogenität. Ein Applikations- oder Datenwachstum resultiert in der isolierten Erweiterung des betroffenen Silos. Nicht zu unterschätzen ist der Bedarf an Fachkräften zum Betrieb der einzelnen Silos.

Mit der Einführung des Fliessbands legte Henry Ford Anfang des 20. Jahrhunderts den Grundstein für die Serienproduktion. Die Einzelteile des Ford Model T waren standardisiert und austauschbar. Dies erlaubte die Fertigung eines Fahrzeugs in wenigen Stunden. Im IT-Bereich bieten sich Möglichkeiten zur Standardisierung der Infrastruktur, Betriebssysteme und Applikationen. Verbesserungen wurden in der Wartbarkeit und Handhabung der zu grossen Teilen homogenisierten Systemkomponenten erzielt. Weiter ermög- licht die Einführung der Virtualisierung eine Trennung der Hardwareressourcen von den Applikationen, die diese konsumieren. Diese Abstraktion resultiert in einer gesteigerten Effizienz dank der Konsolidierung und verbesserten Ausnutzung der Hardwareressourcen. Das hat einen direkten, positiven Einfluss auf die Beschaffungskosten, da weniger Hardware beschafft werden muss. Dies beschliesst den ersten Schritt in Richtung IT-as-a-Service (ITaaS). In dieser Phase haben sich im letzten Jahr rund 39 Prozent der in einer von VMware im Juli 2013 durchgeführten Studie befragten Kunden befunden. Im Jahr 2013 schrumpfte diese Zahl auf 26 Prozent.

Die folgende Massenproduktion zeichnet sich durch hohe Standardisierung, Arbeitsteilung und niedrigere Kosten aus. Für die Provisionierung von IT-Ressourcen heisst das, dass diese in Ressourcen-Pools zusammengefasst, abstrahiert und virtualisiert werden. Sämtliche Applikationen bedienen sich aus diesen Pools. Diese Vorgehensweise steigert die Servicequalität sowie die Zuverlässigkeit der IT-Infrastruktur. Das Management dieser Ressourcen-Pools ist zentralisiert verwaltet, und die zugrunde liegenden Hardwareressourcen können weitgehend homogenisiert werden. Dank Letzterer verringert sich auch die An- zahl der benötigten Fachkräfte. All diese Faktoren führen zu einer Kostensenkung der Betriebskosten. Von rund 43 Prozent der Kunden im Jahr 2012 ist in dieser Phase gemäss obiger Studie ein Anstieg auf 54 Prozent im aktuellen Jahr zu verzeichnen.

Autofert

Massgeschneiderte Massenproduktion

Die Zukunft der Automobilfertigung liegt in der kundenindividuellen Massenproduktion, die die Vorzüge der Massen- mit derjenigen der Einzelproduktion vereint, nämlich zu niedrigen Kosten Kunden möglichst auf sie zu- geschnittene Modelle anzubieten und damit diese ans eigene Unternehmen zu binden. Der Kunde wählt dabei sein Modell (Standard) via «Online Car Configurator» aus und bestimmt aus einer Unmenge von individualisierbaren Einzelteilen das eigene Fahrzeug. Die Fabrik, die dieses Modell baut, ist fähig, von Auto zu Auto, das die Produktionsstrasse durchläuft, individuell und ohne Produktionsausfall das Programm entsprechend anzupassen. Das er- fordert einen hohen Grad an Automation und den Einsatz von Robotik. Gemeinhin wird das unter dem Begriff «Industrie 4.0» zusammen- gefasst. Deswegen kommt der Homogenisierung der Plattform in der Automobilindustrie eine sehr hohe Bedeutung zu.

Dasselbe kann man auch auf die IT übertragen, wo es als Cloud Computing bezeichnet wird. Die Plattform nennt sich Software- defined Data Center. Der Konsument einer IT-Dienstleistung bedient sich dabei eines IT- as-a-Service-Portals, das ihm die gewünschte Applikation automatisiert und gemäss individuell definierter Parameter, den Service-Level-Objectives, binnen Minuten in der kosteneffizientesten Cloud zur Verfügung stellt.

Gemäss derselben Erhebung von VMware befinden sich momentan bereits 21 Prozent der befragten Unternehmen in dieser Phase. Das ist eine kleine Steigerung gegenüber den 18 Prozent im vergangenen Jahr.

Industralisierung der IT

Beiden Industrien gemein ist, dass sie sich auf dem Weg dahin befinden – auf dem Weg zur Industrie 4.0. Auf dem Weg zur Industrialisierung der IT. Sie befinden sich in einer Phase der Transformation. In dieser wird die IT viel stärker und tiefgreifender mit dem Unternehmen und seinen Prozessen verwurzelt.

Daryl Plummer, Managing Vice President Gartner Fellow, beschreibt diesen Vorgang wie folgt : «Während sich die Struktur der Unternehmen und der Industrien ändert, ändern sich die unterstützenden IT-Systeme mit ihnen. Dasselbe gilt für die Fähigkeiten von Fachkräften und für die Prozesse und Kontrollmechanismen, die benötigt werden, dass jene funktionieren. IT ist ein Teil von allem.»

Die Herausforderungen für die IT sind von vier Megatrends getrieben: Mobile, Social Media, Big Data und Cloud. Interessant ist auch hier der Blick über den Gartenzaun zu den Megatrends in der Automobilindustrie. Sie heissen Fuel Economy, E-Mobility und Connected Car. Vor allem in Letzerem widerspiegeln sich die Megatrends der IT voll- umfänglich. Mobile spielt eine grosse Rolle in Car-Sharing-Konzepten, wo es dem Kunden darum geht, mit einer mobilen Applikation den nächstgelegenen Mietwagen ausfindig zu machen. Datenanalysen aus Social-Media- Plattformen helfen bei der Produktentwicklung sowie dem Marketing und Verkauf, da in diesen sozialen Kanälen oft Meinungen und Erfahrungen reflektiert werden. Diese Analysen wiederum sind nur mit modernen Big-Data-Lösungen realisierbar, da enorme Datenmengen in kürzester Zeit ausgewertet werden wollen. Um den Kreis zu schliessen, muss oben erwähnte Applikation in einer Cloud lauffähig sein. Anders ist sie nicht portabel und kann nicht auf einem beliebigen Gerät betrieben werden. Um die Verzahnung der Megatrends der Automobilindustrie zu illustrieren, spielt E-Mobility, das elektrisch betriebene Auto, gerade im modernen Car Sharing eine grosse Rolle. Die Treiber hierfür sind eine weitere Transformation: die Urbanisierung.

IndusIT

Die von aussen auf ein Unternehmen einwirkenden IT-Megatrends zwingt es dazu, immer agiler auf aktuelle Marktrends zu re-agieren und entsprechend den Marktbedürfnissen zugeschnittene Produkte anzubieten, um nachhaltig sein Wachstum zu sichern. Da- her setzt die Unternehmensführung vermehrt auf das Analysieren von unterschiedlichsten Quellen, massiver strukturierter und unstrukturierter Datenmengen, um gezielt, fundiert und schnell wichtige Entscheidungen in der Ausrichtung des Unternehmens zu treffen. Für die informationstechnische Umsetzung dieser Entschlüsse zeichnet sich der CIO verantwortlich. Eine effektive und effiziente Umsetzung bedarf in einer traditionellen IT- Abteilung einer tiefgreifenden Transformation, die Organisation, Prozesse und Infrastruktur miteinschliesst. Der Grund sind endliche Ressourcen, die Transparenz vergleichbarer Dienstleistungen von Drittanbietern und damit ein wachsender Kostendruck.

Ein Ausweg ist die Ausrichtung der eigenen IT vom Kostenzentrum zum Dienstleister. Diese Aufgabenstellung ist nicht einfach zu bewerkstelligen. Gemäss der oben erwähnten Studie können im Schnitt nur zirka 30 Prozent des IT-Budgets für Innovationen und Erweiterungen genutzt werden. Schritte dahin sind ein IT-Benchmarking, die Homogenisierung der Infrastruktur (Plattform), die Standardisierung der Applikationen und die Eindämmung der Eigenentwicklungen. Das Resultat über die Zeit ist eine kosteneffiziente IT mit reduziertem Betriebsaufwand. Infolge gilt es die IT-Infrastruktur sowie die Applikation zu automatisieren und als Dienstleistungspaket in einem IaaS-Portal zur Verfügung zu stellen. Die IT-Organisation muss dafür vorbereitet werden. Das führt zwangsläufig zu Veränderungen. Sie eröffnen den Mitarbeitern neue Perspektiven, die nicht nur Gefallen finden. Den Einzelnen davon zu überzeugen, bedarf eines starken Managements, ist Voraussetzung und zugleich die grösste Herausforderung. Auch die Unternehmensprozesse sind an die neue IT anzupassen. Der gegenteilige Ansatz mündet in einer Kostenfalle und einhergehend in einer hohen Individualisierung der involvierten Applikationen. Das hat die Vergangenheit gezeigt.

Die Unternehmen sind angehalten, fortwährend zu prüfen, welche IT-Dienstleistungen sie von welchem Anbieter beziehen wollen. Das ist vergleichbar mit der Automobilindustrie, in der die Hersteller ihre Zulieferer laufend beurteilen.

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